
Über Aikishintaiso
„Aikishintaiso ist eine innere Kampfkunst, die Körper, Bewusstsein und ihre Wechselwirkungen einbezieht.“ Cognard André Hanshi
Foto: Hubert Witkenkamp
Die Vielfalt der Übungen ermöglicht, uns der Einflüsse bewusst zu werden, die den Körper im Laufe unserer Geschichte geformt haben und entstandene physische und psychische Spannungen zu verändern. Auf diese Weise erlangen die Kursteilnehmenden eine intelligente Selbstwahrnehmung und ein sensibles Selbstbewusstsein, das ihnen die Möglichkeit gibt, sich als Individuum, als Akteur:in und Autor:in ihres Lebens zu positionieren und in den Austausch mit anderen zu gehen.


Ein Weg der Identitätssuche
„Wenn Ihnen Ihr Leben nicht zusagt, ändern Sie es. Und wenn Sie nicht Ihr Leben ändern können, ändern Sie sich! Mit dem Aikishintaiso haben Sie dafür ein Mittel.“
Cognard André Hanshi
Dieses Zitat von Cognard André Hanshi enthält zentrale Aspekte des Aikishintaiso: Es schärft die Wahrnehmungsfähigkeit, fördert den Energiefluss, stimuliert die Selbstheilungskräfte und führt zu mehr Eigenverantwortung und interner Autonomie. Diese fördert die Bereitschaft zu einem respektvollen Umgang mit Anderen und mit unserer Umwelt und ermöglicht Veränderungsprozesse auf dem Weg zur Entfaltung der eigenen Identität.
Wirkungsweise
„Das Aikishintaiso richtet sich an alle Menschen, die ihr Wissen über das eigene Sein vertiefen möchten. Neben der Bewusstwerdung der eigenen Funktionsweise ermöglicht das Aikishintaiso ebenfalls, seine Körperstruktur zu verändern, um ein harmonisches Gleichgewicht zu erzielen und ein Minimum an Energie zu verbrauchen.“
Cognard Anne Shihan
Cognard Anne Shihan, 6. Dan, lehrt seit vielen Jahren Aikishintaiso und bildet Aikishintaisolehrer:innen aus. Sie fasst die grundlegenden Konzepte des Aikishintaiso folgendermaßen zusammen:
„Das Aikishintaiso stammt aus der japanischen Tradition der Kampfkünste und wurde von Cognard André Hanshi innerhalb der Académie Autonome d’Aikido entwickelt.
Es handelt sich um eine Bewegungskunst die entweder im Rahmen eines wöchentlichen Gruppenkurses oder in einem täglichen
individuellen Übungsprogramm praktiziert werden kann. Entsprechend des vom Lehrer ausgewählten Themas zielen die vorgeschlagenen Übungen darauf ab, einen oder mehrere Aspekte der Wechselwirkung zwischen Körper und Geist erfahrbar zu machen.
Dafür werden eine Vielzahl von Körperhaltungen, Bewegungen, Bewegungsabläufen und Meditationstechniken verwendet, die aus verschiedenen japanischen Traditionen stammen (Shintoismus, Zen-Buddhismus, Karatedo, Shugendo, Aikido etc.).
Diese Körperhaltungen und Bewegungen ermöglichen die Arbeit an unterschiedlichen Bereichen und Körperfunktionen: Propriozeption, Muskelketten, Gelenkmechanik, Ogantätigkeit, Verbindungen zwischen Körperteilen, psychische Inbesitznahme eines Körperbereiches, innere Energie, Willenskraft, Platzierung des mentalen Bewusstseins usw.
Es handelt sich um eine tiefgreifende Arbeit der Selbstbeobachtung mithilfe des Körpers, die sich durch eine Schärfung der Wahrnehmung und des Körperinnenraumes auszeichnet.“
Cognard Anne Shihan, 6. Dan
Philosophie
„Aikishintaiso ist eine Bewegungsmethode, die auf den traditionellen japanischen Konzepten der Harmonie Ai, Energie Ki, Herz-Geist Shin und Körperbewegung Taiso basiert. Es hat seine Wurzeln in den Kampfkünsten, dem Zen, der Askese der Yamabushi in den Bergen und der Tradition der Lektüre des Körpers mithilfe der buddhistischen Physiognomie.
Aikishintaiso ermöglicht, Geist, Emotionen, Körper und psychisches Bewusstsein in Einklang zu bringen, indem es Energieströme des Individuums freisetzt und damit die Zirkulation persönlicher Erinnerungen und des kollektiven Bewusstseins sowie den Austausch von Wissen fördert, welches aus dem Bewusstsein unserer Vorfahren und dem undifferenzierten kollektiven Bewusstsein stammt. Um diese Harmonie zu erreichen, arbeiten wir daran, die Psyche von Hindernissen zu befreien, die durch Leid jeglicher Art, durch Traumata und Ängste entstanden sind.
Wir arbeiten daran, den Körper von den Spannungen zu befreien, die psychisch Unbewusstes ausdrücken, und den Spannungen, die mit körperlichen Traumata oder psychischen Schäden zusammenhängen.
Was nicht gedacht werden kann, kann nicht gesagt werden, aber es wird vom Körper ausgedrückt, der dadurch in einer Haltung erstarrt, die analysiert werden kann. Die Analyse ermöglicht es dann, ein persönliches Übungsprogramm anzubieten, welches zum Loslassen derjenigen Spannungen führt, die für die Stabilität und die psychomotorische Aktivität unnötig sind, ohne das psychische Gleichgewicht zu beeinträchtigen. Das ist wichtig, denn wenn die unbewusst geformte Körperhaltung nicht mehr ausreicht, um bewusstes oder unbewusstes Leid auszudrücken, drückt es sich durch Krankheit oder Unfälle aus.
Aikishintaiso ist keine Therapie. Es greift nicht direkt in das Feld der Krankheit ein, sondern es ermöglicht, einen internen Kampf zu führen um Krankheit zu vermeiden.
Aikishintaiso ist eine innere Kampfkunst. Der Praktizierende kämpft gegen Gewalt als solche, Gewalt, die sich unbeabsichtigt gegen andere richten könnte, die oft unbewusst gegen sich selbst gerichtet ist.
Dieser Weg wendet sich an alle Erwachsenen, die eine innere Arbeit aufnehmen wollen, um sich selbst besser kennenzulernen, um zu verstehen,
welchen Verpflichtungen zur Loyalität sie unterliegen und die Zugang zu den verborgenen Teilen ihrer selbst erlangen möchten. Dieser Weg ermöglicht, seine Gedanken, Emotionen und seinen Körper zu erfahren und voll auszuschöpfen.
Die unmittelbaren Vorzüge liegen in dem Gefühl „Energie zu haben“, einem wachsenden Drang, Vorhaben voran zu bringen, mehr Entscheidungskraft und ein größeres Verständnis für andere.
Die dauerhaften Vorzüge sind Gesundheit, Zugriff auf seine eigene Bestimmung, Harmonie im Kontakt mit anderen, Steigerung der körperlichen und geistigen Fähigkeiten und die Entwicklung eines ethischen Bewusstseins.
Wenn Sie nach einer spielerischen oder sportiven Ausübung suchen, ist das Aikishintaiso nicht für Sie gemacht. Wenn Sie ihren Körper „drillen“ möchten, noch weniger.
Wir erwarten von unseren Schülern eine ernsthafte Arbeit, Respekt vor anderen und sich selbst, Demut in ihrer Suche und ein Verständnis für jegliche Art von Andersartigkeit. Wenn Sie mir bis hier folgen konnten, sind Sie wahrscheinlich bereit, das innere Abenteuer zu wagen.“
Cognard Hanshi, 8. Dan,
Gründer der Schule Académie Autonome d’Aikido Kobayashi Hirokazu
Geschichtliche Entwicklung
Der Franzose Cognard André Hanshi hat das Aikishintaiso bei seinem japanischen Lehrer Hirokazu Kobayashi Sensei, einem Schüler von Ueshiba Morihei, dem Begründer des Aikido, erlernt.
Cognard André Hanshi begegnete Kobayashi Sensei 1973, wurde sein Schüler und Assistent und hat die Lehre des Aikishintaiso in sich aufgenommen und dann zu einem eigenständigen Weg weiterentwickelt, den er bis heute kontinuierlich verfeinert. Dabei verbindet er vielfältiges Wissen und Erfahrungen aus dem Aikido und anderen Kampfkünsten, dem Zen, Shintoismus, der Traditionellen Chinesischen Medizin, Anatomie, Philosophie, Psychologie, Bewegungsentwicklung, Ontologie und anderen Bereichen.
Auf Anregung seines Meisters gründete er 1982 die Académie Autonome d’Aikido Kobayashi Hirokazu (3AKH). Die Ziele sind die Entwicklung des Aikido im Stil von Kobayashi Hirokazu Sensei, die Vermittlung von Aikishintaiso und die Förderung der japanischen Kultur und ihrer traditionellen Künste.
Die 3AKH bildet Aikido- und Aikishintaiso-Lehrer:innen aus und hat in Südfrankreich in Bourg Argental einen Dojo eingerichtet, das Kobayashi Ryu Hombu Dojo. Dort befindet sich auch ein interkulturelles französisch-japanisches Zentrum, das kulturelle Veranstaltungen und Lehrgänge zu japanischen Künsten, insbesondere Kalligraphie (Shôdô) und Trommeln (Taiko) organisiert.
3AKH ist Mitglied der internationalen Académie Autononome d’Aikido Kobayashi Hirokazu Ryu.

